Berufliche Weiterbildung muss agiler werden – und zwar dringend!

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Deutsche IT-Abteilungen geraten mehr und mehr in eine sehr schwierige Situation. Zwar werden nach einer Studie von Capgemini die Investitionen in das IT-Budget auch 2017 weiter steigen, nicht zuletzt um das Unternehmen mit digitalen Innovationen konkurrenzfähig zu halten und die stark nachgefragten Digitalisierungsprojekte zu stemmen. Doch beim Management des Projektportfolios stellen die Führungskräfte schnell fest, dass dieser Bedarf mit den zur Verfügung stehenden Personalressourcen kaum gedeckt werden kann – schließlich ist der überwiegende Teil an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Themen wie Betrieb, Wartung und Pflege der bestehenden IT-Systeme beschäftigt. Dies drückt sich auch in Zahlen aus: Gemäß der Studie ist der Budget-Anteil für den Ersatz und die Neugestaltung von Systemen im letzten Jahr zugunsten der Aufrechterhaltung von Bestandssoftware um ca. fünf Prozentpunkte gesunken.

Die Probleme liegen aber nicht nur an der geringen Zahl verfügbarer IT-Fachkräfte, sondern auch an deren Qualifikation. Hier droht der vielzitierte Fachkräftemangel in der deutschen IT-Wirtschaft (laut Bitkom-Statistik 51.000 offene Stellen) für einige Unternehmen schon zu einem realen Geschäftsrisiko zu werden. „Unternehmen aus traditionellen Branchen“, so Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder, „entwickeln sich zu Digitalunternehmen, die verstärkt entsprechende Kompetenzen benötigen und qualifizierte Mitarbeiter suchen.“

Wenn ich am Rande von Seminaren mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern ins Gespräch komme, wird mir immer wieder von solchen Problemen berichtet. Deshalb nehme ich diese Eindrücke als einen klaren Auftrag für mich und CampusLab wahr: Es muss uns gelingen, die berufliche Weiterbildung von IT-Fachkräften so agil zu gestalten, dass die Fachkräfte trotz des hohen Projektdrucks eine Möglichkeit erhalten, passend zur jeweiligen Projektsituation möglichst schnell die benötigten Kenntnisse und Fertigkeiten zu erlangen.

Dass eine solche Flexibilität mit mehrtägigen Seminarformaten und deren herkömmlicher Organisation nur schwer zu erreichen ist, liegt auf der Hand. Denn hierzu muss zunächst die Personalentwicklung eingeschaltet werden, der Einkauf muss die Beauftragung genehmigen, es müssen Räume gebucht und nicht zuletzt die Termine abgestimmt werden – natürlich unter Berücksichtigung der Schulferien von NRW und Hessen, versteht sich. Eine IT-Fachkraft müsste für die rechtzeitige Seminarbuchung also schon heute wissen, welche Fertigkeiten sie möglicherweise in ein paar Monaten in einem vielleicht noch gar nicht gestarteten Projekt benötigt.

Wir am CampusLab haben uns intensiv mit diesem Problem beschäftigt und nach möglichen Lösungen gesucht. Dabei ist ein ganz neues Konzept entstanden, wie wir unser Weiterbildungsangebot für IT-Fachkräfte verfügbar machen: Anstatt ein mehrtägiges Seminar z. B. zum Thema Digitalisierung oder Requirements Engineering buchen und entsprechend intern organisieren zu müssen, können dieselben Inhalte ab sofort ganz flexibel als einzelne Tageskurse gebucht werden. Wir haben sie didaktisch so aufbereitet, dass sie wahlweise als Präsenzveranstaltung vor Ort, als Online-Kurs oder als Flexible Learning-Kurs, einem gut abgestimmten Mix aus beiden Lernwelten, durchgeführt werden können. Wir sind überzeugt, dass das ein wichtiger Schritt ist, um die Weiterbildung für IT-Fachkräfte so agil zu gestalten, dass kurzfristig benötigte Kenntnisse und Fertigkeiten ohne Umwege pragmatisch organisiert und vermittelt werden können.

Wir freuen uns über Ihr Feedback:

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Dr. Marian Benner-Wickner

Dr. Marian Benner-Wickner

Dr. Marian Benner-Wickner ist seit 2012 als Trainer in der Weiterbildung von IT-Fachkräften tätig und Teil des CampusLab-Teams. Zudem leitet er seit 2016 den Studiengang „Wirtschaftsingenieurwesen Industrie 4.0“ im Fernstudium der IUBH Internationale Hochschule GmbH. Nach dem Studium der Technischen Informatik an der FH Dortmund promovierte er 2016 am Lehrstuhl für Software Engineering der Universität Duisburg-Essen. Seine Forschungsinteressen fokussieren sich auf die IT-Unterstützung wissensintensiver Geschäftsprozesse. Darüber hinaus befasst er sich mit Konzepten und Methoden zur Analyse, Dokumentation und Umsetzung von Digitalisierungspotentialen.