Die IT kostet viel und tut nichts – oder etwa doch?

campuslab-blog-2016-08-23

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„You can see the computer age everywhere but in the productivity statistics.“

Solows Aussage Ende der 80er Jahre sowie Nicholas Carrs „IT doesn’t matter“ sind der Diskussionsstartpunkt des sogenannten Produktivitätsparadoxons. Dieses besagt, dass kein positiver Zusammenhang zwischen Unternehmensproduktivität und der Höhe der IT-Investitionen besteht. Im Extremfall sei sogar ein negativer Zusammenhang zu erkennen. Bei den stets steigenden IT-Ausgaben handelt es sich hier um ein Phänomen, das man im Auge behalten sollte. Doch sind diese Aussagen gerechtfertigt?

Auf Branchenebene lässt sich dieses Phänomen nur schwer erklären, denn was einzelnen Unternehmen nützlich ist, kann anderen wiederum schaden. Bessere Erklärungsansätze lassen sich stattdessen auf Unternehmensebene finden. Dazu gehört zum Beispiel die Verzögerung zwischen Investitionen in die IT und dem Zeitpunkt, an dem die Wirkungen sichtbar werden. Denn hier stellt sich die Frage: Investieren wir in die IT und werden dadurch produktiv? Oder sind wir umgekehrt erst produktiv und motivieren dadurch weitere Investitionen? Mit genau diesem Problem haben sich Aral et al. in ihrer Studie beschäftigt und nachgewiesen, dass zuerst Investitionen in die IT getätigt wurden, wodurch die Produktivität im Unternehmen sich gesteigert hat. Dieses Erfolgserlebnis und die höhere Produktivität haben wiederum weitere Investitionen motiviert und führen so zu einer Positivspirale.

Weitere Erklärungen für das Produktivitätsparadoxon sind Managementfehler und die unzureichende Nutzung von Potentialen. Fehler können oft nicht gemessen werden und sind somit nicht nachweisbar. Die Schuld wird dann einfach auf die IT geschoben. Auch ungenutzte Potentiale stellen ein Problem dar. Eine Technologie zu haben, die letztendlich nicht verwendet wird, bringt ein Unternehmen nicht weiter. Um das zu vermeiden, müssen weitere organisatorische Maßnahmen folgen. Dazu gehören zum Beispiel die Nutzung von neu zur Verfügung stehenden Informationen oder die Anpassung von Geschäftsprozessen. Auch Schulungen für das Personal sind ein wichtiger Aspekt, der einem Unternehmen zu höherer Produktivität und somit zum Erfolg verhilft, aber bei IT-Investitionen häufig nicht berücksichtigt wird. Erst wenn Mitarbeiter das notwendige Wissen für die veränderten Prozesse und Technologien mitbringen, führt dies zu einer erhöhten Produktivität und weiteren Erfolgen. Und dann tut die IT eine ganze Menge!

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Jasmin Burda

Jasmin Burda

Jasmin Burda ist Expertin im Bereich industrieller Softwareprozesse mit den Themenschwerpunkten Requirements Engineering, IT-Projektmanagement und Agilität in Projekten. An der Universität Duisburg-Essen absolvierte sie ihren Masterabschluss in Wirtschaftsinformatik mit Auszeichnung. Die aktive Durchführung von Seminaren als Trainerin sowie beratende Aktivitäten als Consultant gehören zu ihren Aufgabenfeldern.