Ist DevOps die nächste Evolutionsstufe der Softwareentwicklung?


© Asha Sreenivas – stock.adobe.com

Agile Vorgehensmodelle in der Softwareentwicklung sind nicht mehr wegzudenken. Denn Unternehmen müssen in der Lage sein, in möglichst kurzen Zyklen neue Software zu entwickeln. Doch Softwareentwicklung dient keinem Selbstzweck, sondern zielt selbstverständlich darauf ab, das fertige Produkt zu releasen und in Betrieb zu nehmen. Die Entwicklung ist also die eine Seite. Auf der anderen Seite steht der Betrieb der Software.

Was nutzt auf Effizienz getrimmte, agile Softwareentwicklung, wenn die in kurzen Zyklen entwickelten und gelieferten Komponenten spätestens beim Einsatz Probleme verursachen und letztendlich nicht oder erst sehr verspätet in Betrieb genommen werden? Nicht sonderlich viel.

Der Begriff DevOps (Kofferwort aus „Development“ und „Operations“) steht für die enge Zusammenarbeit zwischen Softwareentwicklung und -betrieb als Organisationseinheit. Dieses Modell bietet Vorteile auf mehreren Ebenen.

Effizienzebene

Oft haben beide, in der Regel getrennt agierenden Bereiche, nur eine unklare Vorstellung davon, nach welchem Zielverständnis der jeweils andere Bereich arbeitet. Dies kann zu langsameren Prozessen führen, insbesondere durch höhere Fehlerquoten. Zudem verfolgen beide Abteilungen streng genommen unterschiedliche Ziele. Dadurch ziehen beide Abteilungen nicht am selben sprichwörtlichen Strang, da sich die Prioritäten unterschieden. Und falls am Ende des Tages etwas nicht funktioniert, schiebt der eine Bereich die Schuld auf den anderen.

Mit DevOps werden diese natürlichen Grenzen aufgehoben: Die am gesamten Softwareprozess beteiligten Rollen – nämlich von Entwicklung bis Betrieb – werden näher aneinandergerückt und können weitgehend untereinander abgestimmt und selbstorganisiert arbeiten. Zum einen wird dadurch die Kommunikation zwischen beiden Bereichen erheblich verbessert, wodurch entstehende Probleme schneller identifiziert und gelöst werden können. Dies trägt zum verkürzten Entwicklungs- und Integrationsprozess bei. Zum anderen teilen sich beide Bereiche ein gemeinsames Ziel, funktionierende Software zu entwickeln und erfolgreich in Betrieb zu nehmen. Mit anderen Worten: Das Ziel ist die Bereitstellung des Services, den sie gemeinsam verantworten.

Auf wirtschaftlicher Ebene

Aus wirtschaftlicher Sicht sparen verkürzte Entwicklungs- und Integrationsprozesse nicht nur Kosten, sondern versetzen Unternehmen in die Lage, überhaupt konkurrenzfähig zu bleiben. Denn hohe Innovationsraten und schnelle Handlungsfähigkeit sind in einer digitalisierten Welt(-wirtschaft) unumgängliche und gleichermaßen notwendige Eigenschaften.  

Auf kultureller Ebene

Auf kultureller Ebene bietet DevOps die Chance auf produktivere und engagiertere Mitarbeiter. Und wenn etwas nicht klappt, dann schieben sich Entwickler und Operations nicht gegenseitig die Schuld in die Schuhe, denn immerhin ziehen sie in enger Zusammenarbeit am selben Strang und verfolgen gemeinsame Ziele.

DevOps ist mehr als eine Methode

Die Einführung von DevOps erfordert einige voran- und einhergehende Veränderungen, die nicht immer einfach umzusetzen sind – insbesondere, wenn es sich hierbei um etablierte Unternehmen mit jahrzehntelanger Prozessroutine handelt. DevOps ist mehr als eine Methode. Denn es wird erheblich in das bestehende Gleichgewicht von Organisationsstruktur, Prozessen und Personal eingegriffen. Es reicht daher nicht aus, lediglich ein Team aus Entwicklern, Testern und Operations zusammenzuwürfeln und den Startschuss für DevOps zu geben. Führungskräfte müssen sich im Vorfeld unter anderem der Herausforderung stellen, über Jahre hinweg etablierte Denk- und Handlungsmuster zu durchbrechen und ein neues Konzept der Zusammenarbeit zu entwickeln und umzusetzen. Mit der richtigen Strategie gelingt es auch Unternehmen mit etablierten Prozessstrukturen, DevOps erfolgreich einzuführen.

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Osman Binici

Osman Binici

Osman Binici ist Experte für Kommunikation. An der Eberhard Karls Universität in Tübingen studierte er Allgemeine Rhetorik mit den Schwerpunkten auf Unternehmenskommunikation und didaktischer Rhetorik. Nach seinem Master-Abschluss war er als freiberuflicher Kommunikationstrainer und Autor in der Weiterbildung tätig. Mittlerweile unterstützt er das CampusLab als Marketing- und Projektmanager.