Regulatorik als Treiber für Agilität

Agilität durch Regulatorik: Illustration mit 2 Personen vor großem Display

© bakhtiarzein – fotolia.com

„Regulatorik ist ein Treiber für Agilität“. Diese Aussage klingt zunächst widersprüchlich. Zur Regulatorik gehören immerhin Anforderungen, die beispielsweise von der Bundesbank oder BaFin kommen und Gebiete wie Compliance oder Risikomanagement abdecken. Nach „agil“ klingt das nicht. Um zu verstehen, wieso Regulatorik eben doch Agilität vorantreibt, muss man zunächst verstehen, was „agil“ eigentlich ist.

Mit agilen Vorgehen werden Anforderungen iterativ und inkrementell umgesetzt. Iterativ bedeutet, dass man sich einer Lösung schrittweise in mehreren Zyklen annähert. Am Beispiel von Softwareentwicklung heißt das also, dass Software schrittweise in mehreren Zyklen entwickelt wird. Inkrementell heißt wiederum, dass diese Lösung immer weiter ausgebaut und erweitert wird. Beim Beispiel der Software wird also mit jedem neuen Zyklus auf der bis dato entwickelten Software aufgebaut, um weitere Funktionalitäten hinzuzufügen. Durch ein iteratives und inkrementelles Vorgehen ist es möglich, Anforderungen nach und nach umzusetzen und sich direkt ein Feedback zum aktuellen Stand zu holen. Und anhand des Feedbacks kann dann entschieden werden, wie weiter umgesetzt wird.

Agile Vorgehen sind strukturiert und ermöglichen dabei trotzdem, schnell auf Veränderungen zu reagieren. Das zeigt auch ein Blick in das Manifest für Agile Softwareentwicklung, das aber neben Softwareentwicklung auch für andere Projekte und Lösungen gilt:

„Wir erschließen bessere Wege, Software zu entwickeln,
indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen.
Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt: 

Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

Das heißt, obwohl wir die Werte auf der rechten Seite wichtig finden, schätzen wir die Werte auf der linken Seite höher ein.“

Hier wird oft vergessen, dass die Werte auf der rechten Seite ebenfalls wichtig sind. Umfassende Dokumentation, Verträge, ein Plan und Strukturen sind alle Teil eines agilen Vorgehens. Wer Regulatorik umsetzt, muss diese Werte berücksichtigen. Anhand von zwei Werten aus dem Manifest möchte ich noch zeigen, warum Regulatorik Agilität sogar vorantreibt.

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Reagieren auf Veränderung: Um Regulatorik fristgerecht nachzukommen, muss schnell reagiert werden. Es gibt viele Aufgaben, die angepackt werden müssen. Dazu gehört zum Beispiel das Beantworten der folgenden Fragen: Wo sind Veränderungen notwendig? Was bedeutet das konkret für das Unternehmen? Wie sieht eine Lösung aus? Wann und wie setzen wir diese Lösung um? Gegebenenfalls ist auch notwendig, dass bereits laufende Projekte neue Regulatorik berücksichtigen und dementsprechend auf Veränderung reagieren müssen. Mit agilen Vorgehen ist das möglich, da zu den Prinzipien des agilen Manifests gehört, auch spät in der Umsetzungsphase noch Anforderungen willkommen zu heißen.

Zusammenarbeit mit dem Kunden: Um herauszufinden, was eigentlich zu tun ist, muss auch verstanden werden, was hinter den Anforderungen der Regulatorik steckt. Das geht am besten, wenn mit dem Kunden früh kommuniziert wird. Die Kunden sind in diesem Fall diejenigen, von denen die Regulatorik kommt. Das können beispielsweise die Bundesbank oder BaFin sein. Bei engem Kontakt mit dem Kunden kann schnell festgestellt werden, ob die geplanten Maßnahmen auch tatsächlich die Regulatorik erfüllen, oder ob diese angepasst werden müssen.

Das Umsetzen von Regulatorik setzt ein strukturiertes Vorgehen heraus, mit dem schnell auf Veränderungen reagiert werden kann. Außerdem ist es eine Möglichkeit, schnell Feedback zu erhalten und auf dieses zu reagieren, um Lösungsmaßnahmen und Ergebnisse fristgerecht zu korrigieren. Mit agilen Vorgehen ist das machbar. Somit ist Regulatorik also ein Treiber für Agilität!

Wir freuen uns über Ihr Feedback:

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Jasmin Burda

Jasmin Burda

Jasmin Burda ist Expertin im Bereich industrieller Softwareprozesse mit den Themenschwerpunkten Requirements Engineering, IT-Projektmanagement und Agilität in Projekten. An der Universität Duisburg-Essen absolvierte sie ihren Masterabschluss in Wirtschaftsinformatik mit Auszeichnung. Die aktive Durchführung von Seminaren als Trainerin sowie beratende Aktivitäten als Consultant gehören zu ihren Aufgabenfeldern.