Kognitive Komfortzone: selbstgesteuertes Lernen und Eigenverantwortung

Kind mit gebasteltem Elektrohut

© Sunny studio – fotolia.com

Im Seminarraum sitzen, dem Dozent lauschen, Lerninhalte konsumieren – das war einmal und es war auch nie wirklich effektiv und sinnvoll für ein nachhaltiges Lernen. Meist verpuffte das „Erlernte“ nach kurzer Zeit und konnte nur durch selbstständiges, intensives Nacharbeiten und einer umfangreichen Auseinandersetzung gefestigt werden.

Selbstständig ist aber das entscheidende Stichwort – es ist immer häufiger der Fall, dass sich eigenverantwortlich und selbstgesteuert neues Wissen angeeignet werden muss. Doch die meisten stehen dabei vor einer Herausforderung, denn man muss sich aus seiner Komfortzone des Konsumierens lösen und sich selbstmotivierend Neues beibringen. Bestenfalls geschieht das parallel zum auftretenden Problem im Arbeitsprozess und kann ad hoc umgesetzt werden. Mal schnell etwas googlen oder in der internen Wissenscloud stöbern, so kennt man es bereits. Das hat wenig mit der Schulsozialisation zutun und dem Lernen, wie man es durch die Schüler-Lehrer-Situation kennt.

Lernen zu Lernen wird schon lange gepredigt. In den Erkenntnissen der Delphi-Studie des Millennium Projects zum Thema Zukunft der Arbeit 2050 ist von benötigten Meta-Kompetenzen wie „selbstorganisiertes Lernen, Arbeiten in der Selbstständigkeit, Arbeit in virtuellen Teams etc.“ die Rede. Erneut wird gesagt: Eigenverantwortung wird in Zukunft steigen und man kann nicht erwarten, dass einem alles Benötigte auf dem Silbertablett serviert wird. Das ist aufgrund der rasch verändernden Lebenswirklichkeit auch unmöglich realisierbar.

Dem informellen Lernen steht damit eine noch größere Bedeutung zu als bisher. Bildungssysteme und formal aufwändige Bildungsangebote sind zu starr und unflexibel. Informelles Lernen heißt losgelöst von curricularen Vorgaben, Modulhandbuch oder Seminarplan neue Dinge zu erlernen. Sei es durch private Erfahrungen in der Freizeit oder komplexe Problemsituationen in der alltäglichen Arbeit. Man lernt stetig dazu, obwohl es einem nicht explizit beigebracht worden ist. So ist es nicht verwunderlich, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern auch aufgrund des Drucks zur Innovationsfähigkeit Anreize bieten wollen. Der Blick über den Tellerrand soll Neues und Unbekanntes wecken und schafft mehr Raum für Kreativität.

Nicht ohne Grund sind Unternehmen mit einem transformational leader à la Mark Zuckerberg so innovativ und erfolgreich. Weiterbildung und Lernen heißt nicht nur im Seminar zu sitzen und sich berieseln zu lassen. In einer zeitgemäßen Lernkultur setzt man sich aktiv mit dem aktuell relevanten Gegenstand auseinander und initiiert selbstmotiviert seinen persönlichen Lernweg – vorausgesetzt es wird im Unternehmen gelebt und ermöglicht. Als Unternehmen gilt es den Mitarbeitern das entsprechende Rahmenwerk bereitzustellen u.a. auch mit unterschiedlichen technischen als auch methodischen Ressourcen. Zudem kann durch entsprechende Maßnahmen das selbstgesteuerte und selbständige Lernen gefördert werden.

Die entscheidenden Faktoren für ein Lernen durch Eigenverantwortung und Selbstständigkeit sind:

  • Die gelebte Kultur
  • Entsprechende Führung
  • Ein technisches & methodisches Rahmenwerk
  • Reife von Lernkompetenzen und Fähigkeiten der Mitarbeiter

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Markus Kleinschmidt

Markus Kleinschmidt

Markus Kleinschmidt ist Experte für die didaktische Konzeption und inhaltliche Produktion von digitalen und analogen Lernformaten. Einer seiner Schwerpunkte ist die betriebliche Weiterbildung mit Blick auf ganzheitliche unternehmensspezifische Anforderungen. Seit seinem Masterabschluss in „Erwachsenenbildung/Weiterbildung“ an der Universität Duisburg-Essen ist er in der Entwicklung neuer Lernformate und Produkte sowie der Kundenbetreuung/-beratung für CampusLab tätig.