Echte Agilität ist eine gute Strategie. Aber kein gutes Ziel.

Mitarbeiter während des Meetings am Tisch

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Viele große und kleine Unternehmen versprechen sich die Freisetzung ungeahnter Potenziale durch die Einführung von agilen Methoden wie SCRUM. Hohe Erwartungen zusammen mit einer hohen Motivation endlich auch agil zu werden, bieten an sich auch eine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Umstellung. Häufig soll auf diese Weise eine alte, wasserfallähnliche Vorgehensweise abgelöst und IT-Projekte zeitgemäß organisiert werden.

Das ist bildlich und etwas übertrieben in etwa so, als ob man eine vorindustrielle Gesellschaft mit einem Ruck in eine digitale Gesellschaft bringen möchte. Das Problem dabei: Die Menschen. Ihre inneren Einstellungen, die Werte nach denen sie leben und die gesellschaftlich festgefahrenen Verhaltensweisen.

Ein Sprung zurück: Die angestrebte Einführung von Agilität ist kein Selbstzweck, sondern dient einem ganz bestimmten Ziel. Häufig entspricht dieses einem effizienterem und effektiverem Zusammenarbeiten in IT-Projekten. Aber warum soll ausgerechnet Agilität dabei helfen? Ein moderner 3D-Drucker kann zwar auch dabei helfen, sich einen einfachen Spazierstock zu bauen. Das gute alte Taschenmesser ist dafür aber meistens effektiver. Und einfacher. Wichtig ist der Effekt, nicht die Methode.

Echte Agilität erfordert eine so hohe Arbeitsdisziplin, wie sie in der Regel in mittleren und großen Unternehmen ohne gezielte Entwicklung niemals erreicht werden kann. Verbindliche Absprachen? Pünktlichkeit? Eine Orientierung auf ein gemeinsames Ziel? Hinterfragen der eigenen Effektivität? Selbständiges und souveränes Agieren? Klare Zuständigkeiten und Verantwortungen? Vertrauensvolle Zusammenarbeit?

Das sind nur einige Voraussetzungen, die erfüllt sind müssen um auch nur in die Nähe eines agilen Unternehmens zu kommen.

Mein Tipp daher: Agilität als Strategie nehmen und in kleinen Schritten die Organisation in Richtung Agilität entwickeln. Einen guten Startpunkt bilden beispielsweise effektive Meetings.

Sorgen Sie dafür,

  1. dass in jedem Besprechungsraum eine Uhr hängt,
  2. dass jedes Meeting pünktlich beginnt,
  3. dass ein Meeting niemals überzogen wird
  4. und dass alle Teilnehmer dem Initiator bzw. Moderator ein Feedback zur Effektivität sowie Effizienz seines Meetings geben.

Damit schaffen Sie sich eine gute Basis für die weitere Entwicklung in Richtung echte Agilität. Und Sie müssen nicht mal etwas an Ihren Prozessen ändern.

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Prof. Dr. Tobias Brückmann

Prof. Dr. Tobias Brückmann

Prof. Dr. Tobias Brückmann ist Gründer und Geschäftsführer der CampusLab GmbH. Als Hochschullehrer und Gründer arbeitet Tobias Brückmann kontinuierlich an der Professionalisierung und Optimierung von industriellen Softwareprozessen. Zum einen als Trainer und Consultant bei CampusLab. Zum anderen als Professor für das Fachgebiet Software Engineering in der Wirtschaftsinformatik an der IUBH Internationale Hochschule.