Der Systemkontext: Den Überblick in Projekten behalten

Projektteam an Flipchart

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Sehr oft passiert es, dass der Blick aufs Wesentliche in Projekten verloren geht. Das Team vertieft sich in Details und weiß bald nicht mehr, wie das Gesamtbild aussieht. Das ist problematisch, da zu entwickelnde Systeme nie für sich allein stehen und immer in einer Umgebung entwickelt werden. Wenn schon am Anfang Stakeholder und Anforderungen vergessen werden, kann das später im Projekt viel Nacharbeit bedeuten und dementsprechend teure Konsequenzen nach sich ziehen. Es ist also wichtig, stets den Überblick zu behalten. In IT-Projekten kann beispielsweise der Systemkontext eine wichtige Rolle dabei spielen, das zu bewerkstelligen.

Aber was genau wird mit dem Systemkontext dargestellt? Wie der Name bereits vermuten lässt, steht das angestrebte System im Mittelpunkt. In diesem sind die Anwendungsfälle veranschaulicht, die mit dem System abgedeckt werden. Außerdem lassen sich Akteure darstellen, die das System nutzen. Dadurch wird nicht nur ersichtlich, für welche Stakeholder das System relevant ist, sondern auch, welche Anwendungsfälle diese nutzen. Des Weiteren werden andere Systeme dargestellt, die mit dem angestrebten System in Berührung kommen. Schnittstellen werden also erkannt. Auch andere wichtige Aspekte lassen sich hinzufügen. So kann man beispielsweise wichtige Dokumente oder Gesetze festhalten, die ebenfalls für den Kontext des Systems relevant sind, damit man diese nicht aus den Augen verliert. Diese Elemente sind am Beispiel eines Systems für einen Online-Bestellservice veranschaulicht.

Diagramm: Systemkontext

Abb.: Der Systemkontext am Beispiel eines Online-Bestellservice

Der Systemkontext als Überblick ist eine Hilfestellung in vielerlei Hinsicht. Beispielsweise dient er als Orientierung für Anforderungsermittlung, da erkennbar ist, zu welchen Systemen es Schnittstellen gibt und welche Stakeholder von Bedeutung sind. Dadurch wird klar, wessen Perspektive berücksichtigt bzw. mit wem kommuniziert werden muss. Die Planung und Moderation von Workshops fällt somit ebenfalls leichter. Man stelle sich vor, dass man am Beispiel des Online-Bestellservice einen Workshop halten möchte. Bei diesem liegt der Fokus auf dem Anwendungsfall „Angebote einpflegen“. Mit einem Blick auf den Systemkontext ist zu sehen, dass der Bestellservice-Manager mit diesem Anwendungsfall in Berührung kommt und dementsprechend eine Einladung zu diesem Workshop bekommen sollte. Außerdem lassen sich abschweifende Diskussionen vermeiden, indem man direkt am Systemkontext zeigt, wo der Schwerpunkt des Workshops liegt und verdeutlicht, dass andere Themen vertagt werden müssen. Generell kann der Systemkontext zur Kommunikation mit Stakeholdern verwendet werden. Sind z.B. Schnittstellen zu vielen Systemen im Systemkontext gekennzeichnet, kann das auf eine hohe Komplexität des Projekts hinweisen, mit der sich argumentieren lässt, warum mehr Zeit oder Budget für das Projekt notwendig sind.

Insgesamt ist der Systemkontext also eine hilfreiche Übersicht, die sich vielseitig einsetzen lässt. Wer nun neugierig ist und gerne mehr lernen möchte, kann das zum Beispiel in unseren Kursen tun! Der Systemkontext ist unter anderen im Requirements Engineering wichtig – etwa dann, wenn man schon in frühen Projektphasen strukturiert dokumentieren möchte. Auch im Umfeld der Digitalisierung wird er eingesetzt. Dort dient er als Unterstützung, um von einer innovativen Idee zum System zu kommen.

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Jasmin Burda

Jasmin Burda

Jasmin Burda ist Expertin im Bereich industrieller Softwareprozesse mit den Themenschwerpunkten Requirements Engineering, IT-Projektmanagement und Agilität in Projekten. An der Universität Duisburg-Essen absolvierte sie ihren Masterabschluss in Wirtschaftsinformatik mit Auszeichnung. Die aktive Durchführung von Seminaren als Trainerin sowie beratende Aktivitäten als Consultant gehören zu ihren Aufgabenfeldern.