Arbeitssituationen einfach veranschaulichen

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Standen Sie schon einmal vor der Aufgabe, eine Person in eine bestimmte Rolle oder eine Tätigkeit einzuarbeiten? Wie haben Sie den Wissenstransfer ermöglicht und umgesetzt?

In diesem Artikel möchte ich Ihnen ein Modell vorstellen, welches speziell IT-Personal dabei unterstützen kann, bestimmte Arbeitssituationen und Aktivitäten kompetent zu meistern. Es handelt sich um ein Modell zum situationsbasierten Lernen im Software Engineering. Es ist im Zuge des Forschungsprojektes IT&me entstanden und wird fortlaufend weiterentwickelt.

Beispielszenario
Angenommen eine Person steht vor der Herausforderung, zeitnah in einem agilen Projekt nach Scrum arbeiten zu müssen, hat aber noch keine Erfahrungen mit Scrum. Die Person soll als Developer*in im Development Team agieren und benötigt eine schnelle Einführung in das Framework und die zukünftigen praktischen Aufgaben. Es steht das erste Scrum Event an, welches es zu verstehen gilt: das Sprint Planning. Wie wird an dieser Stelle das Situationen-Modell eingesetzt?

Das Situationen-Modell
Das Situationen-Modell dient der übersichtlichen Kontextanalyse einer Situation und hilft, alle zentralen Elemente zu identifizieren, die eine Situation und deren Aktivität ausmachen. Folgend finden Sie eine vereinfachte Version des Modells mit seinen wesentlichen Merkmalen bezogen auf das oben genannte Scrum-Beispiel:

Situationsmodell

Die Aktivität

  • Im Zentrum des Modells steht die konkrete Aktivität: die Durchführung eines Sprint Plannings. Als Teil des Scrum Teams nimmt der Developer an dem Sprint Planning teil. Weitere relevante Rollen, die an dem Meeting teilnehmen, sind der Product Owner und der Scrum Master.
  • In der Aktivität selbst werden nun Ergebnisse generiert. Im Sprint Planning wird bspw. als Artefakt das Sprint Backlog erstellt.
  • Um in der Aktivität gänzlich handlungsfähig agieren zu können und das Sprint Backlog erstellen zu können, werden Wissen und Kompetenzen (Bsp: Methoden, Techniken) benötigt. Es muss das Product Backlog gelesen und verstanden werden, um anschließend das Sprint Backlog zu erstellen. Desweiteren müssen Product Backlog-Einträge in Aufgaben für den kommenden Sprint definiert werden. Weiterhin sind u.a. die Scrum-Prinzipien oder aber auch das Timeboxing elementar.
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Die Vorgänger-Aktivität/der Input

  • Einer Aktivität geht meist eine Vorgänger-Aktivität mit einem Ergebnis voraus. Im Sprint Planning ist als Input bspw. das Product Backlog wichtig. Aber auch die Reflexionen aus der Retrospektive können für das Sprint Planning von Belang sein. Es gibt demnach immer einen Input in Form von Dokumenten, Wissen, Werten und Einstellungen, der in eine Aktivität einfließt.

Die Nachfolger-Aktivität/der Output

  • Mit dem Ergebnis der Aktivität wird nun eine Nachfolger-Aktivität bedient (hier: der Sprint). Der Output ist u.a. das Sprint Backlog, welches nun im Verlauf des Sprints vom Scrum Team für die weitere Arbeit benötigt wird.

Mit der Bestimmung von Vorgänger- und Nachfolger-Aktivität, Rollen, Artefakten und dem benötigten Wissen sowie Kompetenzen können Sie schnell und einfach eine konkrete Arbeitssituation reflektieren und analysieren. Mit der Situationenanalyse lässt sich anschließend ganz einfach darstellen, in welcher Beziehung die Elemente zueinander und zur angestrebten Aktivität stehen. Im Beispielfall liefert die Analyse eine Übersicht darüber, was der Developer sich aneignen und können muss, um ein Sprint Planning in seiner Rolle zu meistern. Probieren Sie doch einmal das Modell aus. Sie können für sich Aktivitäten transparent machen oder aber bei einem anstehenden Wissenstransfer konkrete Arbeitssituationen übersichtlich und kompakt darstellen. Das Modell ist natürlich beliebig erweiterbar und in seinem Detaillierungsgrad variabel.

Literatur zum Modell:

Wilhelm Koop, Tobias Brückmann, Marian Benner-Wickner, Markus Kleinschmidt, Volker Gruhn (2018): Situation-based e-learning in software engineering: using software engineering-related metadata to improve self-empowered learning. ICSE ’18 Proceedings of the 40th International Conference on Software Engineering: Companion Proceeedings Pages 159-160. Gothenburg, Sweden — May 27 – June 03, 2018. ACM New York, NY, USA.

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Markus Kleinschmidt

Markus Kleinschmidt

Markus Kleinschmidt ist Experte für die didaktische Konzeption und inhaltliche Produktion von digitalen und analogen Lernformaten. Einer seiner Schwerpunkte ist die betriebliche Weiterbildung mit Blick auf ganzheitliche unternehmensspezifische Anforderungen. Seit seinem Masterabschluss in „Erwachsenenbildung/Weiterbildung“ an der Universität Duisburg-Essen ist er in der Entwicklung neuer Lernformate und Produkte sowie der Kundenbetreuung/-beratung für CampusLab tätig.